Care-Arbeit und Mental Load – Die unsichtbare Belastung von Müttern

Care-Arbeit und Mental Load sind unsichtbare Belastungen, mit denen Mütter konfrontiert sind. Erfahre mehr über die Herausforderungen, die mit der Organisation des Familienlebens, der physischen und emotionalen Betreuung von Kindern einhergehen, sowie darüber, wie eine gerechte Aufteilung von Care-Arbeit und Erwerbsarbeit erreicht werden kann.

Rechtsanwältin Birte Strack - finanzieller Care-Ausgleich

Was versteht man unter Care-Arbeit in Familien mit Kindern?

Unter Care-Arbeit versteht man allgemein Arbeit, die der Versorgung von Menschen dient, sei es durch körperliche oder emotionale Unterstützung. In Familien mit Kindern umfasst Care-Arbeit nicht nur die reine Versorgung wie Essen einkaufen, zubereiten und füttern, das Putzen und Waschen, Kleider herauslegen oder anziehen, Elterntaxi, Krankenpflege und noch vieles mehr. Care-Arbeit umfasst auch die emotionale Unterstützung von Kindern bei der Bewältigung des Alltags, wie das Trösten nach einem Streit mit dem Kitafreund, das Mutmachen beim sportlichen Misserfolg, der Zuspruch, dass das JuFo-Projekt der Tochter toll geworden ist oder der Sohn genug für die Mathearbeit gelernt hat, um keine Angst davor zu haben. Leider ist die Care-Arbeit in den meisten Familien ungleichmäßig zwischen den Geschlechtern aufgeteilt, wodurch Mütter häufig übermäßig belastet werden.

Mental Load – die unsichtbare Care-Arbeit

Mental Load bezeichnet einen Teilbereich der Care-Arbeit und bezieht sich auf die psychologische und emotionalen Belastung, die durch die Organisation und Koordination von Care-Arbeit entstehen. Dies kann die Verteilung der Haushaltsaufgaben, die Planung von Familienaktivitäten, die Organisation von Arztterminen, Schulaufgaben, Geburtstagen etc, aber auch die Überwachung des Haushaltsbudgets und noch vieles mehr umfassen. Mental Load bezeichnet letztlich das nicht aufhören wollende Durchrattern von To-do-Listen, Prozessbeschreibungen und Ablaufplänen im Kopf. Diese Arbeit bleibt regelmäßig unsichtbar, bis die Betroffenen aktiv darüber sprechen. Mehrheitlich sind es Mütter, die den Großteil des Mental Load einer Familie tragen. Das gilt sogar für Trennungsfamilien, die den Anspruch haben nach der Trennung die Kinder paritätisch zu betreuen. Alleinerziehende stehen mit dieser Belastung gänzlich ohne Hilfe und Verständnis da. Oft wissen die betroffenen Mütter noch nicht einmal, warum sie dauerhaft erschöpft und ausgelaugt sind.

Warum sollte Care-Arbeit und Erwerbsarbeit gerecht aufgeteilt werden?

Die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit und Erwerbsarbeit führt oft dazu, dass Frauen in beiden Bereichen benachteiligt werden. Mütter, die den Großteil der Care-Arbeit übernehmen, haben meist weniger Zeit und Energie für bezahlte Arbeit, was ihre Karriereaussichten beeinträchtigt und voraussichtlich zu einer Einkommens- und Rentenlücke führt. Dieser sog Gender-Care-Gap wirkt sich auf die finanzielle Unabhängigkeit von Müttern und ihre langfristige Sicherheit aus. Der Gender-Care-Gap in der Gestalt von Unterhalts- und Zugewinnausgleichsforderungen ist der Streitpunkt Nummer eins bei Trennung und Scheidung, wenn die Frau nicht bereit ist, die finanziellen Nachteile auch weiterhin ganz alleine zu tragen.

Darüber hinaus kann die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit zu einer Überlastung und Burnout bei Müttern führen. Ohne die Möglichkeit, sich auf bezahlte Arbeit oder andere Aktivitäten zu konzentrieren, können Frauen sich ausgebrannt und isoliert fühlen, was ihre psychische Gesundheit beeinträchtigt und leicht zu Spannungen und Konflikten in der Familie führen kann.

Die gerechte Aufteilung von Care-Arbeit und Erwerbsarbeit hilft nicht nur Müttern, ihr volles Potenzial auszuschöpfen, sondern schafft auch Freiräume für Väter, sich mehr in die Familienarbeit einzubringen und die Beziehung zu ihren Kindern nachhaltig zu stärken. Kommt es zur Trennung, hilft eine stabile Vater-Kind-Bindung bei Umgangs- und Sorgerechtsfragen.

Was können wir tun, um die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit zu beheben?

Eine gerechte Aufteilung von Care-Arbeit und Erwerbsarbeit erfordert sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Veränderungen. Die Gesellschaft können einzelne Familien nicht ändern. Eltern können aber ihre persönliche Situation verbessern und dafür sorgen, dass Arbeitszeit und Familieneinkommen paritätisch aufgeteilt werden.

Gerechte Aufteilung von Zeit: Der zeitliche Care-Ausgleich

Eine geeignete individuelle Maßnahme kann darin bestehen, dass Paare zunächst ihre zeitliche Belastung 50/50 aufteilen. Dazu sollten sie zunächst den Zeitaufwand ihrer Aufgaben im Haushalt, bei der Kinderbetreuung und der Erwerbsarbeit offen diskutieren und herausfinden, welche Gesamtarbeitszeit benötigt wird, um alle Aufgaben zu erledigen und genug Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen. Ganz wichtig dabei ist, dass auch der Mental Load, also die Zeit für die Planungs- und Überwachungsleistungen der Familienprojektleitung mit eingestellt wird. Aufgewandte Zeit für Erwerbsarbeit und Care-Arbeit ist gleichwertig. Maßgeblich ist nicht, wer welche Aufgaben letztlich übernimmt, sondern dass beide Paare gleich viel ihrer Zeit investieren und keiner überlastet wird.

Gerechte Aufteilung von Geld:  Der finanzielle Care-Ausgleich

Die notwendige Zeit für Care-Arbeit und Erwerbsarbeit ist gleich wertvoll, wird aber nicht gleich gut bezahlt. Wenn Care-Arbeit wirklich gleichberechtigt aufgeteilt werden soll, ist nach der zeitlichen Aufteilung oft noch ein finanzieller Ausgleich notwendig, damit beide Partner nicht nur gleich belastet sind, sondern mit ihrem Arbeitseinsatz auch das gleiche Einkommen erzielen. Was viele Leser wahrscheinlich überraschen wird: Das Familienrecht kennt einen solchen finanziellen Ausgleichsanspruch bereits. Dieser Anspruch ist in §§ 1360, 1360 a BGB gesetzlich normiert und kann auf Grundlage der langjährigen Rechtsprechungspraxis zum Trennungsunterhalt und nachehelichen Unterhalt schon in einer bestehenden Partnerschaft ganz individuell und unter Berücksichtigung vielfältiger Sonderkonstellationen von spezialisierten Anwält*innen problemlos ausgerechnet werden. Individuell gerechte Ergebnisse können auch dann berechnet werden, wenn Kosten für Patchworkfamilien, kostenloses Wohnen im geerbten oder mitgebrachten Eigenheim, die Steuerklassenwahl, Schulden, zusätzliche Vorsorgeleistungen, sehr hohes Einkommen eines Partners, was nicht zum täglichen Leben gebraucht wird und vieles mehr, berücksichtigt werden soll. Die anwaltliche Beratungspraxis zeigt, dass Paare, die sich schon in der bestehenden Partnerschaft Geld und Arbeitseinsatz auf diese Art paritätisch geteilt haben, finden auch bei einer Trennung wesentlich leichter eine gute Lösung in Form einer Scheidungsfolgenvereinbarung und können sich so nervenschonend und kostengünstig scheiden lassen.

Warum Mütter den finanziellen Ausgleich von Care-Arbeit fordern sollten.

Mütter sollten den finanziellen Ausgleich von Care-Arbeit ganz offensichtlich fordern, um trotz Elternzeit finanziell unabhängig zu bleiben. Noch viel wichtiger als eine Entschädigung für den Karriereknicks, den Väter ja zwangsläufig auch haben, wenn sie sich mehr an Care-Arbeit beteiligen, ist es, Care-Arbeit und Mental Load endlich sichtbar und finanziell wertvoll zu machen. Durch einen finanziellen Ausgleich können Mütter erreichen, dass ihre Arbeit für die Familie wirklich anerkannt wird. Statt eines Dankeschöns zum Muttertag für ihre unbezahlte Arbeit erhält sie einen tatsächlichen Arbeitslohn und kann damit grundsätzlich machen, was sie will. Väter könnten so leicht auf die Idee kommen, das auch machen zu wollen.

Anders als zu der Zeit, zu der ich in die Mamfalle getappt bin, gibt es mittlerweile viele Bücher, Blogs, Instagram Feeds, Podcasts und sogar eine App zum Thema Care-Arbeit und Mental Load, um mit deinem Partner oder mit deiner Partnerin ins Gespräch zu kommen.

Du kannst es heute besser machen als ich damals. Teile Care-Arbeit und Erwerbsarbeit von Anfang an zeitgerecht zwischen Mutter und Vater auf. Als Anwältin mit viel Erfahrung im Unterhaltsrecht kann ich dir beim Aushandeln und Ausrechnen eines fairen Care-Ausgleichs helfen.

Birte Strack

Rechtsanwältin

Meine Empfehlungen zum Thema Care-Arbeit und Mental Load, um als Eltern endlich ins Tun zu kommen.

 

Die CareRechner App: Hier kannst du auf der Grundlage von wissenschaftlichen Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ausrechnen, was deine unbezahlte Care-Arbeit wert wäre, wenn man sie tatsächlich mit Stundenlohn bezahlen müsste. Ziel der App ist es nicht, diese Forderung wirklich zu stellen, sondern das Problem Equal-Care-Gap greifbar zu machen, um mit Partner*innen ins Gespräch zu kommen.

Der Mental Load Test für Eltern. Mit dem kostenlosen Test des Vereins „Equal Care Day“ kannst du in nur 15 Minuten herausfinden, wie bei euch der Mental Load verteilt ist. Auch dieser Test ist ein super Aufhänger für ein erstes Gespräch zum Thema Care-Ausgleich.

Die Steuerboard-Liste gegen Mental Load. Laura Fröhlich, die Autorin des Bestsellers „Die Frau fürs Leben ist nicht das Mädchen für alles“, stellt über ihre Internetseite gegen Anmeldung zur E-Mail-Liste eine sehr nützliche Excel-Tabelle zur Verfügung, mit deren Hilfe man alle in und für die Familie anfallenden Arbeiten zeitlich erfassen und aufteilen kann. Familienprojektmanagement ist selbstverständlich auch berücksichtigt. Für alle, die mit Excel nicht so fit sind, gibt es bei Youtube ein Anleitungsvideo

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Hier geht es direkt zum Podcast.

… auch zu hören über Spotify.

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