Was ist das beste Familienmodell nach der Trennung?

Residenzmodell, Wechselmodell und Nestmodell im Vergleich.

Familienmodelle haben sich im Laufe der Jahre stark verändert. Es gibt heute viele verschiedene Arten von Familien, die alle unterschiedliche Bedürfnisse haben. Die drei häufigsten Familienmodelle in Deutschland sind das Residenzmodell, das Wechselmodell und das Nestmodell. Dieser Blogartikel beschäftigt sich näher mit diesen drei Modellen, was bei der Entscheidung für ein Modell zu beachten ist, wie der Trend in Deutschland aussieht und was die aktuelle FAMOD-Studie (Familienmodelle in Deutschland) der Universität Duisburg-Essen dazu sagt.

Residenzmodell:

Das Residenzmodell ist das traditionelle Familienmodell, das seit Jahrzehnten in Deutschland praktiziert wird. Es bedeutet, dass die Kinder dauerhaft bei einem Elternteil leben und sie das andere Elternteil regelmäßig besuchen. Dieses Modell kommt häufig zum Einsatz, wenn sich die Eltern trennen und bereits während des Zusammenlebens der Großteil der Betreuung von einem Elternteil übernommen wurde. Meist ist dies die Mutter.

Wechselmodell:

Das Wechselmodell ist eine relativ neue Art der Familienstruktur, die in den letzten Jahren immer häufiger gewählt wird. Hierbei leben die Kinder abwechselnd bei beiden Elternteilen. Unterschieden wird zwischen paritätischem Wechselmodell und asymmetrischem Wechselmodell.

Beim paritätischen Wechselmodell teilen sich die Eltern die Betreuung strikt 50/50. Dies gilt nicht nur für die Aufenthaltszeiten im jeweiligen Haushalt, sondern auch für die übrige Care-Arbeit, wie Arztbesuche, Freizeitorganisation, Lernen für die Schule, neue Sachen organisieren (nicht nur bezahlen), für das Kind mitdenken und alles andere, was im Alltag so anfällt.

Beim asymmetrisches Wechselmodell ist die Aufteilung von Aufenthalt und Care-Arbeit nicht 50/50, sondern ungefähr 70/30.

Die Unterhaltsverpflichtung im paritätischen und im asymmetrischen Wechselmodell unterscheidet sich grundlegend. Im paritätischen Wechselmodell teilen sich die Eltern den Unterhalt entsprechend ihrem jeweiligen Einkommen. Im asymmetrischen Wechselmodell wird grundsätzlich Unterhalt wie im Residenzmodell geschuldet. Lediglich ein kleiner Abschlag durch Abgruppierung in der Düsseldorfer Tabelle ist möglich. Dieser Unterschied ist sehr oft Anlasse für Streit über den genauen Betreuungsanteil.

Nestmodell:

Das Nestmodell ist eine weitere Möglichkeit der paritätischen Betreuung, bei der die Kinder ihr Zuhause behalten und die Eltern abwechselnd bei ihnen leben. Dieses Modell ist besonders dann nützlich, wenn sich die Eltern nicht im Streit getrennt haben und sich gut verstehen. Aufgrund der hohen Kosten für insgesamt drei Wohnungen wird es für die meisten Familien allerdings allenfalls eine Übergangslösung sein.

Wie häufig sind diese Familienmodelle in Deutschland und gibt es einen Trend in den letzten Jahren?

Die meisten Trennungsfamilien in Deutschland leben im Residenzmodell, die wenigsten im Nestmodell. Das Wechselmodell ist jedoch in den letzten Jahren immer beliebter geworden.

Daten zu geteilter Betreuung in Deutschland sind sehr begrenzt und sehr alt. Eine Erhebung aus 2005/2006 ergab knapp 5 %. Die Ländervergleichsstudie aus dem Jahr 2010/2011 ergab bereits knapp 10 %. Bei einer Studie des Instituts Allensbach aus 2017 gaben bereits 22 Prozent der Trennungseltern zunächst an, ihre Kinder zu annähernd gleichen Teilen gemeinsam zu betreuen. Allerdings erbrachten spezifische Erläuterungen und Nachfragen, dass nur 15 Prozent der Befragten bestätigten, das Wechselmodell zu praktizieren, und nur in der Hälfte dieser Fälle war das Kriterium einer gleichen Anzahl von Übernachtungen gegeben (Quelle: Gemeinsam getrennt erziehen – BMFSFJ, März 2021, S. 34 f) Auch wenn noch nicht so viele Familien das paritätische Wechselmodell praktizieren, zeigen diese Zahlen, dass das Wechselmodell in Rein- oder Mischform für Trennungsfamilien immer wichtiger wird.

Nach welchen Kriterien sollte man entscheiden, welches Familienmodell das richtige ist?

Die Entscheidung für ein Familienmodell sollte immer individuell getroffen werden und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Entfernung zwischen den Wohnorten der Eltern, dem Alter und den Bedürfnissen der Kinder, der Arbeitssituation der Eltern und ihrer Fähigkeit, die Betreuung der Kinder zu gewährleisten.

Ein weiterer sehr wichtiger Faktor bei der Entscheidung für ein Familienmodell ist die altersgerechte Mitsprache der Kinder. Es ist wichtig, dass sie in die Entscheidung mit einbezogen werden und ihre Meinung gehört wird. Schließlich betrifft es ihr Leben und ihre Zukunft.

Die Kosten können ebenfalls ein entscheidender Faktor sein. Das Residenzmodell ist in der Regel das günstigste, da die Betreuung durch einen Elternteil erfolgt. Das Wechselmodell ist deutlich teurer, da jeder Elternteil eine größere Familienwohnung benötigt und die Kinder möglicherweise längere Strecken zur Schule und in der Freizeit zurücklegen müssen. Offensichtlich das teuerste Wohnmodell ist das Nestmodell.

Viele Eltern haben Bedenken, dass das ständige Pendeln über längere Zeit die Kinder belastet. Diesbezüglich kann die aktuelle FAMOD-Studie Entwarnung geben. Die Studie  ergab zum Wechselmodell, dass es für die teilnehmenden Kinder keine negativen Auswirkungen hatte, im Wechselmodell betreut zu werden. Im Gegenteil, die teilnehmenden Kinder, die im Wechselmodell betreut wurden, fühlten sich insgesamt zufriedener als Kinder im Residenzmodell. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass jedes Kind individuell ist, dass es keine allgemeingültige Aussage darüber gibt, welches Modell am besten ist und das Wichtigste: An der Studie haben nur Wechselmodellfamilien teilgenommen, bei denen sich die Eltern auf Elternebene noch gut verstanden haben.

Insgesamt hängt die Entscheidung für ein Familienmodell von vielen Faktoren ab, und es gibt kein „richtiges“ oder „falsches“ Modell. Es ist wichtig, dass die Bedürfnisse der Kinder und der Eltern berücksichtigt werden und dass die Entscheidung im besten Interesse aller Beteiligten getroffen wird.

Warum ist es wichtig, die Kinder in die Entscheidung über das Familienmodell einzubeziehen, ohne sie entscheiden zu lassen?

Um Kinder altersgerecht in die Entscheidung für ein bestimmtes Familienmodell einzubeziehen, braucht es viel Einfühlungsvermögen. Kinder dürfen nie das Gefühl bekommen, dass sie zwischen ihren Eltern wählen müssen. Eltern sollten darauf achten, dass sie keinen Loyalitätskonflikt bei ihren Kindern auslösen und Kinder sich nur deshalb für ein striktes 50/50 Modell aussprechen, weil sie denken, dass ihre eigenen Vorstellungen für ihre Eltern ungerecht wären und sie deshalb ihre eigene Meinung nicht äußern.

Um einen Loyalitätskonflikt zu vermeiden, ist es deshalb wichtig, dass die Eltern klarstellen, dass die Entscheidung für ein bestimmtes Modell allein in ihrer Verantwortung liegt und dass die Kinder keine Schuld daran tragen, welches Modell gewählt wird. Es ist deshalb wichtig, die Kinder zu ermutigen, ihre eigene Meinung zu äußern und ihnen gleichzeitig zu versichern, dass ihre Meinung gehört und berücksichtigt wird, aber dass die endgültige Entscheidung letztendlich bei den Eltern liegt.

Wann ist das Wechselmodell keine gute Idee?

Die FAMOD-Studie hat zwar festgestellt, dass sich Kinder im Wechselmodell wohlfühlen. Dies gilt allerdings nicht uneingeschränkt. Es ist deshalb wichtig zu betonen, dass die Studie auch einige kritische Aspekte aufzeigt.

Die Studie hat gezeigt, dass Elternkonflikte belastender sind als äußere Umstände wie der häufige Wechsel zwischen den Haushalten. Es ist daher entscheidend für ein gutes Wechselmodell, dass die Eltern noch miteinander auskommen und in der Lage sind, konstruktiv miteinander zu kommunizieren. Wenn Elternkonflikte bestehen und es zu Streitigkeiten kommt, kann dies zu erheblichen Belastungen für die Kinder führen und die positiven Auswirkungen des Wechselmodells verpuffen.

Zusätzlich kann ein Wechselmodell zu kindeswohlgefährdenden Loyalitätskonflikten führen. Wenn Kinder das Gefühl haben, zwischen ihren Eltern wählen zu müssen oder sie ständig Vermittler zwischen zwei Welten sein sollen, kann dies zu erheblichen emotionalen Belastungen führen. Es ist daher wichtig, dass die Eltern die Bedürfnisse ihrer Kinder berücksichtigen und sicherstellen, dass solche Loyalitätskonflikte nicht entstehen.

Insgesamt zeigt die FAMOD-Studie, dass das Wechselmodell ein vielversprechendes Familienmodell ist, das positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Kinder haben kann. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die Umsetzung des Wechselmodells auch mit einigen Herausforderungen verbunden ist, insbesondere in Bezug auf Elternkonflikte und Loyalitätskonflikte bei den Kindern. Eltern sollten das Wechselmodell nur in Betracht ziehen, wenn sie nach der Trennung in der Lage sind, konstruktiv miteinander zu kommunizieren sowie die Bedürfnisse ihrer Kinder zu berücksichtigen.

Das Wechselmodell ist auf dem Vormarsch und wird hauptsächlich von Trennungsvätern verstärkt eingefordert. Sehr oft geschieht dies aus den falschen Gründen.

Für Kinder von Eltern, die schon vor der Trennung Care-Arbeit und Erwerbsarbeit paritätisch geteilt haben oder einvernehmlich dies zukünftig organisieren wollen, kann das Wechselmodell hingegen die beste Familienform sein.

Wenn diese Voraussetzungen jedoch nicht gegeben sind, sollten sich Eltern für das Kind entscheiden und eigene Wünsche zurückstellen. In der Regel bedeutet dies, die Entscheidung gegen das Wechselmodell.

Birte Strack

Rechtsanwältin

Das könnte dich auch interessieren:

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Newsletteranmeldung Birte Strack

Melde dich zu meinem Newsletter an!

Komm in meine Newsletter-Community für Eltern auf dem Weg in ein gleichberechtigtes Leben.

You have Successfully Subscribed!